zäsur 2020

Sonderprojekt „Zäsur 2020 – Theater und Gesellschaft im Umbruch“ (Arbeitstitel)

Bühnenbild aus Bubble Jam der Performancegruppe Rimini Protokoll

© internationales figuren.theater.festival – Foto: Georg Pöhlein, 2019

Schon in den Anfängen der Corona-Pandemie wurde deutlich – sie wird als ein Umbruch in die Geschichte eingehen. Wie kaum ein Ereignis zuvor wirken sich die Folgen auf die gesamte Weltgemeinschaft aus. Folgen, die uns noch lange begleiten werden, wirken sie doch tief in die Gesellschaft hinein. Im rasanten Tempo verändert sich die tägliche Wirklichkeit. Über Generationen manifestierte Werte und Normen unterliegen den Schwankungen des Pandemiegeschehens.

Corona konfrontiert die Staaten mit tiefgreifenden Debatten und erfordert wiederholt die Einschränkung demokratischer Grundrechte. Individuelle Freiheit wird zurückgestellt zugunsten der Gemeinschaft. Rechte Gruppierungen und Verschwörungstheoretiker erstarken in der Folge im gesamteuropäischen Raum. Nationalistische Bewegungen polarisieren mit fremdenfeindlichen Parolen. Die „Black Lives Matter“-Bewegung liefert ein globales Gegengewicht. Die Weltordnung wird im Kulturkampf neu verhandelt. An den europäischen Außengrenzen werden indes Menschenrechte diskutiert.

Die Digitalisierung schreitet in großen Schritten voran. Der Bildungssektor steht angesichts von Homeschooling und Teilpräsenzkonzepten vor völlig neuen Herausforderungen. Das Berufsleben spielt sich vermehrt im Privaten ab. Zwischenmenschlichkeit und soziale Beziehungen werden auf ein Minimum reduziert, Avatare im Netz ausgebaut. Der Rückzug ins Private lässt traditionelle Rollenbilder und Geschlechterklischees neu aufleben, die längst als überholt angesehen wurden.

Die Welt ist im rasanten Wandel begriffen und doch erscheinen viele Fragen als „Katalysator von Debatten und Konflikten, die ohnehin stattfinden“ (Thomas Ostermeier, Sept. 2020). Wie ein Brennglas hat die Pandemie den Fokus noch einmal verstärkt auf die Fragen gerichtet, die wir uns in Bezug auf unsere Zukunft stellen müssen. Manche Prozesse werden vielleicht beschleunigt, in anderen Entwicklungen sind jetzt bereits Rückschritte zu beobachten. Die Pandemie stellt aber auch Fragen an die Bedeutung von Theater, seine gesellschaftliche Funktion und das Bestehen in Pandemiezeiten durch die Entwicklung neuer Formate und Darstellungsformen.

Im Rahmen des Festivals 2021 wollen die Städte Erlangen, Nürnberg und Fürth unter dem Arbeitstitel „Zäsur 2020 – Theater und Gesellschaft im Umbruch“ einen szenischen Parcours ins Leben rufen, der die gesamte Bandbreite des Genres vom Puppenspiel bis zu Virtual-Reality-Experiences abdeckt und auch unter strengen Infektionsschutzvorschriften umsetzbar sein soll.

Kurze experimentelle performative Skizzen, Interventionen im öffentlichen Raum, szenische Installationen z. B. in temporären Leerständen oder Schaufenstern, Formate mit einzelnen Zuschauer*innen oder für Kleingruppen und Durational Performances werden – einer Gesamtdramaturgie folgend – zu Rundgängen in den einzelnen Städten zusammengeführt, die das Publikum während des Festivals von Donnerstag, 13. Mai, bis Sonntag, 16. Mai 2021, absolvieren kann.

Weitere Infos ab April 2021.

  • Ausschreibung – Sonderprojekt Zäsur 2020 (PDF Download)
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