Umgeschaut (4)

Ein Beitrag von Susanne Streil und Betzabe Kessler de la Rosa

Blick auf die vier Bühnenbilder beim „Ingenieurtheater“

Die Künstlergruppe Akhe aus St. Petersburg (Russland) bezeichnet sich selbst als „Ingenieurtheater“. Seit 25 Jahren sind sie weltweit auf Festivals und in Theatern unterwegs. Der Künstlername Akhe und die Aufführungsbezeichnung „Between Two“ klingt harmlos. Harmlos im Vergleich zu dem, was Maksim Isaev und Pavel Semchenko auf der Bühne zeigen. Es gab vier Aufführungen, betitelt mit I, II, III und IV. Es war nicht notwendig sich alle anzusehen, denn auch bei nur einer Show hat man gewohnt wenig vom Inhalt verstanden. Man war mit Staunen, Schockiert sein, Wegschauen, Schaudern und Zweifeln beschäftigt.

Wir haben jede Aufführung begleitet und das Bühnenbild vor und nach der Aufführung fotografisch festgehalten. Alle Termine fanden in der Thalermühle, dem neuen Spielort des Figurentheater-Festivals, statt. 

„Between Two I“ am 19. Mai: Trial. Six Worlds

„Between Two I“ vorher    Foto: Susanne Streil

Auf der Bühne waren zwei kleine Gesichter aus Holz, zwei riesige Holzwände und diverse Utensilien wie Flaschen, Stäbe, Malerrollen etc. Im Laufe der Aufführung wurden die zwei Holzwände u.a. mit Blut und roten Beete bemalt, umgeworfen und wieder aufgestellt.

„Between Two I“ nachher    Foto: Susanne Streil


 

 

„Between Two II“ am 21. Mai: Karmic Storm

Bei der zweiten Aufführung waren die bemalten Holzwände von „Between Two I“ auf den Boden gelegt. Darunter befand sich ein großes, jedoch flaches Becken mit Wasser.

„Between Two II“ vorher    Foto: Susanne Streil

Die zwei Akteure haben u.a. ein Ochsenherz und Kuhschwänze zerschnitten und anschließend in einem Fleischwolf zermalmt. Mit dem Tierblut und unterschiedlichen Flüssigkeiten haben sie die aufgestellten Wände bemalt und das Wasserbecken mit Styroporkugeln befüllt. Ebenfalls ein Teil der Show war das Anzünden von Brot.

„Between Two II“ nachher    Foto: Susanne Streil

 

 

„Between Two III“ am 23. Mai: Choosing the Womb

In der vorletzten Aufführung war kein Blut mit im Spiel, dafür wurde es für die Ohren sehr laut. Zu Beginn waren auf der Bühne einzelne Kleidungsstücke auf einem Bügel über eine Glühbirne gehangen.

„Between Two III“ vorher    Foto: Betzabe Kessler de la Rosa

Die Klamotten und Holzbretter wurden auf verschiedene Arten zerstört und zerbrochen.

„Between Two III“ nachher    Foto: Betzabe Kessler de la Rosa

 

 

„Between Two IV“ am 25. Mai: Selfrealization

„Between Two IV“ vorher    Foto: Betzabe Kessler de la Rosa

Bei der letzten Aufführung standen viele Flaschen mit Flüssigkeit auf dem Boden und daneben lagen Messer. Im Hintergrund war ein Tisch mit zwei Behältern. Darin war Sand und je eine Plastikhand.

„Between Two IV“ nachher    Foto: Betzabe Kessler de la Rosa

Die großen Holzklötze wurden zu einem überdimensional großen Stuhl verbaut. In der rechten Ecke stand ein Schlagzeug mit Gitarre. Selfrealization sagt es schon, die zwei Künstler wollten sich selbstrealisieren und nahmen die Rolle einer Rockband ein – allerdings war das ein Graus für viele Ohren.

 

Interview mit Stefan Becker
Die insgesamt neun Mitglieder der Gruppe Akhe gastieren seit dem 15. Mai in der Thalermühle. Die Schauspieler sind also nicht nur auf der Bühne zu Hause, sondern bewohnen auch den 1. und 2. Stock der Thalermühle. Stefan Becker, Spielortleiter der Thalermühle, hat den kompletten Aufbau des neuen Spielortes begleitet und wird bis zum Abbau des letzten Elements vor Ort sein. Auf die Frage, ob für Akhe spezielle Sicherheitsvorkehrungen getroffen werden mussten, antwortete Stefan:
„Aufgrund des Konzepts der Gruppe Akhe, die Ereignishaftigkeit einer Performance in den Mittelpunkt ihrer Arbeit zu stellen und wenig Informationen vorab zu liefern, ist natürlich eine erhöhte Aufmerksamkeit geboten. Zudem trifft die Programmatik dieses „Ingenieurtheaters“ meiner Einschätzung nach auf ihren eigenen ästhetischen Perfektionismus, was nicht selten eine Reibung erzeugt, die sich auch für uns Mitarbeiter des Festivals und deren Arbeitsabläufe in direkter Weise auswirkt. Dies ist im Prozess selbst oft anstrengend, aber auf eine eigentümliche Weise auch spannend und bereichernd.“

 

Beitragsbild: Susanne Streil

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